Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Kreisverband Goslar

Stellungnahme und Forderungen des ADFC Goslar zur Kommunalwahl 2026

Unser Ziel ist es, dass Radfahren in Goslar sicherer, attraktiver und selbstverständlicher wird.

 

Viele entscheidende Weichen für den Alltag der Menschen werden auf kommunaler Ebene gestellt.

Radfahrer wirft Wahlzettel in eine Wahlurne, im Hintergrund radelt eine Familie und es ist die Goslarer Innenstadt zu sehen
Kommunalwahl 2026 © KI generiert

Themen wie Verkehrsplanung, Straßenraumaufteilung, Schulwegsicherheit oder Abstellanlagen für Fahrräder werden nicht in Berlin, sondern im Stadtrat entschieden. Eine fahrradfreundliche Infrastruktur bedeutet nicht nur bessere Bedingungen für Radfahrende, sondern auch mehr Lebensqualität, weniger Lärm, bessere Luft und mehr Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmenden. Gerade in einer historischen Stadt wie Goslar ist eine kluge, nachhaltige Verkehrsplanung entscheidend, um den Charakter der Stadt zu bewahren und gleichzeitig zukunftsfähig zu bleiben.

Unser Forderungskatalog ist dabei ein zentrales Instrument. Er bündelt die Erfahrungen und Erwartungen der Radfahrenden vor Ort und macht sie für Politik und Öffentlichkeit sichtbar. 

Der ADFC vertritt keine Partei, sondern die Interessen aller, die Fahrrad fahren oder künftig häufiger aufs Rad umsteigen wollen.

Stellungnahme und Forderungen des ADFC Goslar zur Kommunalwahl 2026

Die Mobilität der Zukunft entscheidet sich vor Ort. In Städten und Gemeinden wie Goslar wird konkret erlebbar, ob Verkehrspolitik den Anforderungen unserer Zeit gerecht wird: Klimaschutz, Lebensqualität, Sicherheit und soziale Teilhabe. Der vorliegende Forderungskatalog versteht sich als konstruktiver Beitrag zur Kommunalwahl 2026 – und als Einladung an Politik und Verwaltung, die Weichen für eine nachhaltige und zukunftsfähige Mobilität in unserer Region entschlossen zu stellen. 

Die Ergebnisse des Fahrradklima-Tests 2024 und die alltäglichen Erfahrungen vieler Bürgerinnen und Bürger zeigen deutlich: Der Radverkehr in Goslar ist bislang nicht ausreichend berücksichtigt worden. Lückenhafte Netze, unzureichende Infrastruktur und eine oftmals einseitige Ausrichtung auf den motorisierten Individualverkehr prägen noch immer das Bild. Dabei liegt gerade im Radverkehr ein enormes Potenzial – für eine echte Mobilitätswende, die diesen Namen auch verdient. 

Das Fahrrad ist weit mehr als ein Freizeitgerät. Es ist ein zentrales Verkehrsmittel im Alltag, das kurze und mittlere Strecken e7izient, kostengünstig und emissionsfrei zurücklegt. Es entlastet Straßen, reduziert Lärm und verbessert die Luftqualität. Vor allem aber trägt es zu einer höheren Lebensqualität in unseren Städten bei: Wo Menschen sicher und gerne Rad fahren, entstehen lebendige öffentliche Räume, in denen sich alle Generationen wohlfühlen. 

Eine echte Mobilitätswende gelingt jedoch nur, wenn das Fahrrad konsequent als gleichberechtigtes Verkehrsmittel anerkannt und gefördert wird. Das bedeutet: durchgängige, sichere und komfortable Radverkehrsnetze, klare Prioritäten in der Verkehrsplanung sowie eine faire Verteilung des ö7entlichen Raums. Es bedeutet auch, den Umweltverbund aus Rad-, Fuß- und ö7entlichem Verkehr systematisch zu stärken
und besser miteinander zu verknüpfen. 

Gerade in einer Stadt wie Goslar, mit ihrer historischen Struktur und den besonderen topografischen Herausforderungen, braucht es kluge, maßgeschneiderte Lösungen. Der Radverkehr kann hier eine Schlüsselrolle übernehmen – nicht als Konkurrenz zu anderen Verkehrsarten, sondern als integraler Bestandteil eines modernen, nachhaltigen Gesamtsystems. Voraussetzung dafür ist der politische Wille, bestehende Strukturen zu hinterfragen und neue Wege zu gehen. 

Die in diesem Papier formulierten Forderungen zeigen konkrete Ansatzpunkte auf, wie die Situation für Radfahrende in Goslar spürbar verbessert werden kann. Sie sind praxisnah, Kreisverband Goslar umsetzbar und orientieren sich an den tatsächlichen Bedürfnissen der Menschen vor Ort. Gleichzeitig sind sie Ausdruck eines übergeordneten Ziels: einer Stadt, in der sichere, klimafreundliche und zukunftsfähige Mobilität für alle selbstverständlich ist

Die Kommunalwahl 2026 bietet die Chance, die notwendigen Entscheidungen zu treffen und den Wandel aktiv zu gestalten. Wir laden alle politisch Verantwortlichen ein, diesen Weg gemeinsam mit uns zu gehen – für ein Goslar, das auch in Zukunft lebenswert, attraktiv und mobil bleibt. 

Allgemein fordern wir …

  • die Schaffung von durchgehenden Radrouten durch Neubauten von Radwegen, Ausweisung von Fahrradstraßen und durch Lückenschlüsse
  • die Verbesserung der Infrastruktur für Radfahrende, auch für den ruhenden Verkehr (Abstellplätze, Ladestationen, Beschilderung, …)
  • die Beseitigung der einseitigen Bevorzugung des Autoverkehrs bei der Aufteilung des öffentlichen Raumes und bei der Förderung des Verkehrsflusses
  • Maßnahmen zur deutlichen Verbesserung der objektiven Sicherheit und der subjektiv empfundenen Sicherheit.
  • im neuen Mobilitätskonzept den nachhaltigen Verkehr (ÖPNV, Fahrrad, Fuß) zu priorisieren.
  • eine engere und substanzielle Zusammenarbeit bei Verkehrsplanungen zwischen Stadt und Kreis.

Für 2026 ff. fordern wir die Politik auf, folgende konkrete Maßnahmen im Stadtgebiet Goslar zu unterstützen und aktiv voranzutreiben: 

  1. Realisierung des Konzepts Radtangente Nord (Lilienthalstraße und angrenzendes Gebiet) gemäß den Vorschlägen des ADFC
  2. Bau eines Radweges in Oker an der Harlingeröder Straße (in Verlängerung der geplanten Baumaßnahmen des Landkreises für den außerörtlichen Streckenabschnitt) zwischen Harzburger Straße und Ortsausgang
  3. Bau eines Radweges in Oker entlang der Harzburger Straße zwischen Reichenstraße und Harlingeröder Straße
  4. Ausweisung der Achse „Hoher Brink/Clausbruchstraße zu einer Fahrradstraße/Anlieger frei“ zwischen Arcachonbrücke und Diagonalsperre Grummetwiese
  5. Umsetzung der Lösungen gemäß dem Radverkehrskonzept 2020 der Stadt Goslar für die Bereiche Breite Straße/Eingangsbereich Fußgängerzone /Sommerwohlenstraße (S. 69) und Bahnhofunterführung / Rampe Tappenstraße (S. 73) Kreisverband Goslar
  6. Änderung der Ampelschaltungen zugunsten von Radfahrenden und Fußgängern an den Kreuzungen Okerstraße/Immenröder Straße, Astfelder Straße/Von-Garßen-Straße und B82/Lilienthalstraße/Ohlhofbreite („List-kreuzung“)
  7. Ertüchtigung der ehemaligen Straße Jerstedt-Astfeld zu einem Radweg/landwirtschaftl. Weg in Zusammenarbeit mit dem Landkreis und der Stadt Langelsheim
  8. Erstellung und Umsetzung eines Verkehrskonzeptes „Hoher Weg und angrenzende Gebiete“ um Radfahrenden die sichere Durchquerung der Altstadt zwischen Wallstraße und Bahnhof zu ermöglichen und die Verkehrssicherheit für alle Verkehrsteilnehmer zu erhöhen
  9. Die Umsetzung des ADFC-Planes für ein Konzept „Abstellanlagen“ in Goslar 

Die vorliegenden Forderungen verstehen wir nicht als abschließende Position, sondern als Grundlage für einen offenen und lösungsorientierten Dialog. Eine erfolgreiche Mobilitätswende entsteht nicht durch Einzelmaßnahmen, sondern durch kontinuierliche Zusammenarbeit zwischen Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft. Als ADFC Kreisverband Goslar bringen wir dabei unsere fachliche Expertise, unsere lokale Erfahrung und die Perspektive der Radfahrenden aktiv ein. 

Wir sind ausdrücklich bereit, den weiteren Prozess konstruktiv zu begleiten – sei es durch die Mitwirkung an Planungen, die Bewertung konkreter Maßnahmen oder den Austausch im Rahmen von Beteiligungsformaten. Unser Ziel ist es, gemeinsam tragfähige Lösungen zu entwickeln, die den Anforderungen einer modernen, nachhaltigen Mobilität gerecht werden und gleichzeitig die besonderen Gegebenheiten Goslars berücksichtigen. 

Wir laden alle Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger dazu ein, diesen Dialog aktiv zu suchen und die Chancen einer engen Zusammenarbeit zu nutzen. Denn nur im gemeinsamen Handeln kann es gelingen, die notwendigen Veränderungen anzustoßen und dauerhaft zu verankern – für eine Stadt, in der sichere und attraktive Mobilität für alle selbstverständlich ist.

Für den Vorstand des ADFC Kreisverband Goslar

Michael Bornholdt
1.Vorsitzender


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